Werde was du schon lange bist …

In einem Apfelkern ist schon der ganze Apfelbaum gespeichert. Er ist nur noch nicht entfaltet, noch nicht verwirklicht, noch nicht erwachsen. Ähnlich ist es auch beim Menschen. Es ist in unserer Genstruktur bereits die ganze Persönlichkeit angelegt. Und so haben wir einen großen Plan zu werden was wir sind und zugleich haben wir die Wahl. Was wir wählen können? Die Qualität unseres (Er-)lebens.

So wie zum Apfelbaum nur spezifische Blätter, Blüten oder Früchte passen, so passen zu einem Menschen auch nur bestimmte Personen, Gegenstände, Erlebnisse,… Und so erleben wir genau das, was unserem Entwicklungsstand entspricht.

Das Phänomen, das wir Menschen oft erzeugen, ist gleichzusetzen einem Apfelbaum der gerne Birnen tragen würde oder lieber gerade der Vogel wäre, der sich tagein tagaus auf seinen Ästen niederlässt. Komplementäre Wünsche, die Defizite ausgleichen.

Wer bin ich und wie werde ich mehr von dem, was in mir angelegt ist?

Sind meine Sehn-süchte Süchte in einem irrealen Ersatzleben? Oder bergen sie unentwickelte Fähigkeiten in sich und haben damit das Potenzial verwirklicht und lebendig zu werden?

Bin ich auf dem „richtigen“ nämlich auf MEINEM Weg? Sind meine Ziele reale Ziele? Oder sind es irreale Ziele, die ich aus einem Defizit heraus gebildet habe und nun hoffe, dass das Erreichen mich „ganz“ macht, ich dadurch endlich glücklich sein kann, es mich dann das Gefühl von „angekommen sein“ fühlen lässt?

Auf der Suche nach Lösungen und Möglichkeiten, nicht mit der Idee etwas neu zu erfinden, sondern Vorhandenes wieder aufzugreifen und vielleicht zu erkennen in welcher Weise es korreliert, bin ich schon vor langer Zeit auf das Modell, das Hermann Meyer in seinem Buch „Die Gesetze des Schicksals“ beschreibt, gestoßen. Als eines von vielen Modellen und Philosophien fügt es sich wie in einem Puzzle als weiterer wichtiger Teil ein und arbeitet wie ein Zahnrad, Rad um Rad ineinandergreifend am Ganzen. So stark wie mich Meyers Theorien beeinflussten, tat es auch Roman Braun mit Trinergy-NLP. Beeindruckt und verändert durch die Modelle und Ideen als meine Wegbegleiter, hat es wohl auch meine Coaching-Klienten und Seminarteilnehmer.

Jeder kann für sein Schicksal selbst Verantwortung übernehmen und damit sein Erleben und sein Leben aktiv steuern. Die Voraussetzung hierfür ist allerdings, sich der eigenen Anlagen und Fähigkeiten bewusst zu werden und herauszufinden auf welcher Entwicklungsstufe sie sich befinden.

Raupe – Puppe – Schmetterling

oder Hemmung – Kompensation – Erwachsen sein

Der Gehemmte oder auch Kindrollenspieler, der Kompensator oder auch Elternrollenspieler und der Erwachsene.

Was bedeuten diese Kategorien am Beispiel „Durchsetzungsfähigkeit“?

Als in dieser Fähigkeit gehemmte Persönlichkeit (ähnlich der Schlechtwetter-Dramaposition des Opfers), erlebt man sich selbst als durchsetzungsschwach und die anderen als stark. Man denkt und nennt „Pseudogefühle“ wie: „Ich fühle mich übergangen“, „Ich fühle mich unverstanden“ oder bringt beispielsweise Interpretationen wie „Alle bestimmen über mich“, „Keiner hört mir zu“, „Immer trifft es mich“. So sind die Fähigkeiten zwar angelegt – wie in der Raupe – aber noch nicht als eigen erkannt. Der Gehemmte sucht im Außen nach Schuldigen wie nach jenen, die es besser haben. Die Idee, dass das im Außen Erlebte nur eine Projektion der eigenen – nicht entwickelten – Fähigkeiten sein könnte, ist nicht vorhanden. Somit glaubt der Gehemmte auch, dass er selber an seiner Situation nichts ändern kann. Er zieht auch jene Ereignisse an (Gesetz der Anziehung). Die Ziele, die in dieser Entwicklungsstufe gebildet werden gleichen das Defizit aus – fungieren also als Komplementärbild – und sind somit keine realen, der wahren Natur der Persönlichkeit entsprechenden Ziele.

Im Falle der Durchsetzungsfähigkeit könnte dies beispielsweise das Ziel sein, eine Autorität zu sein, die sich aber, ohne irgendjemanden zu beeinflussen, durchsetzen kann. Harmonisch, möglichst ohne Konflikte – alle wollen ganz von selbst dasselbe. Somit wird diese Person immer von allen geliebt. Ein Widerspruch in sich, doch der Gehemmte verabscheut „das Böse, Rücksichtslose“ am Kompensator und möchte nie so sein wie er. Die Stufe des Kompensators würde der Gehemmte gerne auslassen und gleich Erwachsen sein.

Doch zuerst gilt es die Fähigkeit selbst zu entwickeln und so führt an dieser Stufe kein Weg vorbei:

Der Kompensator erlebt sich als Held, als Eroberer, als Angreifer. Er setzt sich durch, auch auf Kosten anderer. Er will der Erste sein, koste es was es wolle. Er muss seine Stärke behaupten und stellt sich dem Wettkampf. Er fährt das große Auto, hat das tolle Haus, den super Job, …

Das Komplementärbild des Kompensators wären in unserem Beispiel „Durchsetzungsfähigkeit“ die Untergebenen, die seinen Entscheidungen Folge leisten. Denn ein Elternrollenspieler kann ohne Kindrollenspieler nicht spielen.

Beide Rollen, die des Gehemmten wie die des Kompensators, sind dramatisch und defizitär. Sie brauchen einander und sind voneinander abhängig. Damit wird auch der familiensystemischen Verstrickung Tribut gezollt und gelernte Muster und Programme meist unreflektiert weitergeführt.

Ein weiteres Kennzeichen für defizitäre Anlagen und Fähigkeiten sind Neid und Bewunderung. Das Leben, das Glück, der Erfolg des anderen wird beneidet oder bewundert – beides sind Hinweise auf die EIGENE nicht entwickelte Anlage. Denn alles worauf reagiert wird, worauf man also Resonanz hat, hat mit der eigenen Persönlichkeit zu tun, sonst würde man nicht selbst, sondern wohl der Nachbar reagieren.

Erst der Erwachsene hat die Anlage – in unserem Beispiel die Durchsetzungsfähigkeit – erlöst. Das bedeutet er ist gut in der Lage sich bei Bedarf durchzusetzen und zu behaupten, er MUSS aber NICHT. Er hat die Fähigkeit zur Verfügung. Er ist bereit den Preis zu bezahlen, wenn er es ihm wert ist und damit auch bereit die Konsequenzen für sein Handeln zu tragen. Er hat auch sein Familiensystem liebevoll integriert und geht seinen ureigenen Weg, indem er sich reale Ziele und Herausforderungen stellt. Er hat Wahlmöglichkeiten und Alternativen entwickelt und stellt sich dem Leben, wissend dass Entwicklung und Lernen nie endet, sondern ihn Zeit seines Lebens begleitet.

Und Partnerschaft?

Der Erwachsene braucht keinen Partner, aber er lässt sich gerne auf Augenhöhe von einem bereichern. Jeder lebt hier das seine und beide entscheiden aus freiem Willen, was sie miteinander leben und geben wollen. Anders als beim Kind- und Elternrollenspieler, die einander brauchen und abhängig voneinander sind. Der Elternrollenspieler ist eher der gebende Teil und der Kindrollenspieler eher der nehmende.

Der Erwachsene hat seine Projektionen erkannt und arbeitet selbst an der Entwicklung seiner Anlagen und Fähigkeiten und braucht den Partner nicht um sich selbst aufzubauen oder aufzuwerten, sondern um einen Gefährten zu haben mit dem das gemeinsam gerne gelebt wird. Ein partnerschaftlicher Austausch wird gelebt und er ist in der Lage durch die entwickelten Fähigkeiten sowohl empfangender wie auch gebender Teil zu sein. Was nun nicht bedeutet, dass es auf der Ebene der Erwachsenen keine Konflikte mehr gibt, denn das wäre ein Wunsch eines Kindrollenspielers. Hier ist die Fähigkeit mit Konflikten entsprechend umzugehen entwickelt.

Und nun? Was tun?

Die Fragen, die wir uns auf dem Weg zur Selbstverantwortung stellen können, könnten klingen wie – Was hat mein Leben nun mit mir zu tun?

Was haben vor allem die Ereignisse, die mir NICHT gefallen mit mir zu tun und wie kann ich das ändern, ohne ausschließlich im Drama über die unangenehme Situation zu verbleiben und damit Energie zu verbraten?
Woran erkenne ich denn überhaupt den „Kopfbahnhof“, den Zustand, der es mir nicht erlaubt weiterzukommen? Der beste Zugangshinweis, um Drama zu erkennen ist: Ich fühle mich nicht gut.

Katie Byron schreibt in „Leben was ist“ sehr treffend „Ich bin getrennt von mir selbst und frage mich, warum mein Leben nicht funktioniert.“ Somit ist der erste Schritt: Das Bemerken des eigenen Primärgefühls, das unwohl ist. Denn, um sich nicht gut fühlen zu können, muss in irgendeiner Art und Weise Destruktives im Kopf oder im Außen zuvor passiert sein. Meist können wir uns gar nicht mehr an unsere Gedankenverläufe erinnern, oder bringen sie nicht mit dem jetzigen Zustand in Verbindung.

Wenn ich nun bemerkt habe, dass es mir nicht gut geht, habe ich die Wahl:

Ich bleibe im Drama oder ich transformiere. Ich entscheide.

Es ist oft einfacher im Drama zu bleiben (ich weiß wovon ich rede). Sich als Opfer bemitleiden zu lassen oder als Retter am Opfer aufzubauen und vom Eigenen ablenken oder als Täter unreflektiert „drüberzufahren“. Im Zweifelsfall hilft immer noch „g´scheit redn“ (auch hier kenn ich mich aus), auch das lenkt ab.

Eines ist sicher – Drama birgt VIEL ENERGIE! Energie, die es gilt konstruktiv zu nutzen, zu transformieren.

ZUSAMMENFASSEND

  1. Achte auf die Ereignisse, Menschen und Dinge, die du angezogen hast, also in dein Leben gezogen hast.
  2. Überprüfe deine Sehnsüchte, Wünsche und Ziele, ob sie real oder irreal sind und ein komplementär zu deinem Defizit darstellen.
  3. Finde jene Fähigkeiten und Ressourcen, die du brauchst, um deinem Ziel näher zu kommen.
  4. Handle entsprechend und übernimm Verantwortung für dein Handeln.
  5. Überprüfe die Ergebnisse aus deinem Handeln.
  6. Finde mehr von dem was wirkt!

FAZIT

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht. Welche willst du zuerst hören?

Die schlechte Nachricht?

Ich bin selbst verantwortlich für mein Erleben in meinem Leben…

Und die gute Nachricht?

Ich bin selbst verantwortlich für mein Erleben in meinem Leben…

Eine Frage der Perspektive…

Wer auf das Glücklichsein verzichtet, erfüllt sein Dasein nicht.

Ludwig Marcuse

Dieser Artikel ist ursprünglich auf KOMPLIMENT&CO erschienen.

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